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Aktuelles

 

Lesen Sie diesen Monat im Feuilleton:

 

Architektur schafft Lebensqualität – mitten auf dem Friedhof.

Am 24./25. Juni fand der diesjährige „Tag der Architektur“ unter dem bundesweiten Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ statt. In diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen mit dabei: der neue Abschiedsraum des kommunalen Friedhofs Delstern in Hagen.

Hier trifft Denkmal auf Moderne. Das unter Denkmalschutz stehende Eduard-Müller-Krematorium wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus durch den Architekten Peter Behrens geplant und gebaut. Ein mit viel Aufmerksamkeit ausgezeichnetes Kleinod inmitten einer parkähnlichen Friedhofs-Anlage.

Seit 1912 finden hier Einäscherungen statt, die beeindruckende Trauerhalle fasst viele Besucher und die anliegenden Abschiedsräume dienen seit jeher der privaten Abschiednahme.

Seit 2016 wird an dieser Stelle mit ganz neuer Architektur auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen – denn der Abschiedsraum versteht sich heute als Ort, der uns als Hinterbliebenen Schutz bieten soll, der Raum schafft für die emotional außergewöhnliche Situation, der unsere Sinne berührt und den Moment besonders macht. Der neue Abschiedsraum auf dem Delstern-Friedhof erzeugt eine harmonische und offene Atmosphäre, die respektvoll mit dem Verstorbenen und dem Abschiednehmenden umgeht. Ein guter Ausgangspunkt für die kommende Zeit der Trauerbewältigung.

Ein Besuch dieses besonderen Ortes lohnt sich.
Eduard-Müller-Krematorium, Friedhof Delstern, Am Berghang 30, 58093 Hagen

 

Bíld: Martin Gust


Einfach mal rausgehen und durchatmen

Die Zeit der ständigen Kälte ist vorbei und schon seit einer ganzen Weile zeigt der Frühling an allen Ecken, wie farbenfroh und facettenreich unsere Welt auch jenseits der HD-Bildschirme sein kann. Sonne und Wärme beleben das Gemüt und bringen uns manchmal sogar so richtig ins Schwitzen. Da ist es dann nicht weiter schlimm, wenn zwischendurch mal eine Wolkenfront aufzieht – ganz ehrlich: Was gibt es denn Angenehmeres als das erfrischende Gefühl von kühlem Sommerregen auf der Haut?

Es ist jedes Mal erstaunlich, was der Wechsel der Jahreszeit bewirken kann. Probleme, die wir den Winter über mit uns herumgetragen haben, können sich im sonnengestärkten Herzen verändern und werden zu Herausforderungen – und zwar zu solchen, die sich bewältigen lassen. Und wenn uns nun etwas umtreibt, dann ist es einfach an der Zeit, einen Schritt vor die Tür zu wagen. Die Füße über Bürgersteige, Feldwege und Wiesen wandeln zu lassen und dem Kopf damit den Raum zu geben, den er braucht. Beim Gehen denkt es sich häufig besser als eingezwängt in der Wohnung oder im Büro. Unter freiem Himmel können sich die Gedanken besser entfalten – was auch wundervoll ist für den kleinen kreativen Schub für zwischendurch. Manchmal reichen dafür schon wenige Minuten.

Und was so leicht in den Hintergrund rückt: einfach mal entspannen. Einige Momente auf der Wiese liegen oder es sich auf einer Parkbank gemütlich machen. Die Sonne durch die geschlossenen Augenlider spüren. Den Kopf freibekommen. Sich etwas Zeit nehmen, um zurückzublicken.

Es klingt vielleicht seltsam – aber auch der stille Gang über den Friedhof kann sehr beruhigend und inspirierend sein. Allein der Gedanke daran, welche Geschichten sich hier verbergen. Dieser Ort hat viel zu erzählen über das, was vor uns war. Und wenn wir ihn schließlich wieder verlassen, haben wir womöglich auch ein geschärftes Bewusstsein für das, was vor uns liegt.

Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353

 


„Neue Wege auf dem Friedhof!“…

ist eine jüngst ins Leben gerufene Initiative und ein ausgeschriebener Wettbewerb des Bundesverbandes Deutscher Steinmetze in Berlin. Dahinter stecken der Wunsch und die Notwendigkeit, unsere Friedhofskultur lebendig - und am Puls der Zeit zu halten. Dem Notstand der Friedhöfe, immer mehr brachliegende Flächen in den Friedhofsplan einzeichnen zu müssen, sollen neue, moderne, zukunftsweisende Ideen entgegengesetzt, der Friedhof als wichtiges kulturelles Gut erhalten werden.

Nominiert wurden sechs Arbeitsgemeinschaften. Die Arbeitsgemeinschaften: die Kirchhofsverwaltung Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Berlin, die Hamburger Friedhöfe AöR, die Arbeitsgemeinschaft WBH Hagen, die Friedhofsverwaltung Aschersleben, die Friedhofsverwaltung Nürnberg und die Arbeitsgemeinschaft Friedhofsverwaltung Stadt Essen. Alle Arbeitsgemeinschaften haben jeweils auf ihren Friedhöfen besondere und zukunftsweisende Grabkonzepte, mit besonderer Berücksichtigung der Bevölkerungsstruktur und der regionalen Gegebenheiten. Ein interessantes Potpourri aus gut durchdachten Ideen und Konzepten.

Mehr Information zu dem Wettbewerb und den Teilnehmern unter: http://www.bivsteinmetz.de

„Die Friedhofskultur als besonderes Gut erhalten“, dafür setzen sich mittlerweile alle Friedhofs-Beteiligten sehr engagiert ein, die konfessionellen Träger genauso wie die Kommunen, die Friedhofsverwaltungen, die Steinmetze und die Friedhofsgärtner. Die 2017 geschaffene Initiative „Friedhof Heute“ lädt ein, sich mit den Themen Tod, Trauer und mit der Bestattungs- und Trauerkultur auseinanderzusetzen. www.friedhof-heute.de

„Neue Wege auf dem Friedhof!“ … geht uns alle an. Besuchen Sie doch einmal den Friedhof in Ihrer Nähe und informieren Sie sich über Neues auf Ihrem Friedhof!

Bild: By Tony Webster tonywebster - http://unsplash.com/photos/F9o7u-CnDJk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58790779

 


Wenn da plötzlich diese riesige Wand vor uns steht

Wie viel Zeit unseres Lebens verschwenden wir damit, gegen Wände zu laufen? Wenn etwas schiefgeht oder nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, worauf konzentrieren wir uns dann? Auf das Loslassen und Weitermachen – nun aber auf anderen Wegen? Oder nicht doch vielmehr auf den Schmerz über das Scheitern und den verzweifelten Wunsch nach einer göttlichen Fügung?

Ob es sich um ein verpatztes Bewerbungsgespräch handelt, eine zerbrochene Beziehung oder gar den Verlust eines geliebten Menschen – es dauert meist eine ganze Weile, bis wir die Situation akzeptieren und den Blick wieder öffnen können. Da ist plötzlich diese riesige Mauer vor uns und wir müssen irgendwie hindurch. Also rennen wir dagegen an, wieder und wieder. Aber warum wollen wir überhaupt hindurch? Ist es denn nicht besser, einen Schritt zurückzutreten und einen Weg zu suchen, der an ihr vorbeiführt?

Wir tun weder uns noch anderen einen Gefallen damit, wenn wir der Wut oder dem Schmerz zu viel Raum zugestehen. Wenn wir zulassen, dass sie unser Handeln bestimmen. In den meisten Fällen machen wir es dadurch sogar noch viel schlimmer, steigern uns womöglich mehr und mehr hinein, bis uns die Ereignisse irgendwann vollkommen lähmen. Sicher, es ist schwer, manchmal sogar unmöglich, seine Gefühlswelt zu kontrollieren. Doch wir können es zumindest versuchen, können die Situation zu akzeptieren lernen. Manchmal muss man erst loslassen, um wieder klar sehen zu können. Das braucht Zeit. Doch diese Zeit können wir uns nehmen.

Wenn wir die Dinge selbst nicht ändern können, dann können wir immer noch unseren Umgang mit ihnen verändern. Können uns auf die guten Aspekte konzentrieren, so klein sie auch sein mögen. Aus Fehlern lernen, schöne Erinnerungen bewahren, das wertschätzen, was wir haben. Das hilft vielleicht nur minimal. Aber es ist besser, als gegen Wände zu laufen.

 

Bild: Von Dietmar Rabich - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51050967

 


Spiel mir das Lied vom Tod …

Trauermusik gehört dazu – zu einer Abschiedsfeier und einer Bestattung. Denn die Musik trägt und beflügelt die Trauergefühle und zwängt sie nicht in Worte oder Gesten, sondern lässt sie frei.

Victor Hugo, ein französischer Schriftsteller, formulierte es so: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Regeln gibt es eigentlich keine, denn die Abschiedszeremonie heute soll persönlicher und individueller denn je sein. Dem Verstorbenen ein letztes Geleit geben und die Trauergesellschaft trösten – oder soll man sagen: in Stimmung bringen? Denn mittlerweile gibt es die „Best of“-Trauercharts. Für jede Gefühls- und Geschmackslage ist etwas dabei. Immer auf den Spitzenplätzen zu finden sind „Who Wants to Live Forever“ von Queen, „I Did It My Way” von Frank Sinatra, aber auch das klassische „Ave Maria” von Franz Schubert.

Sicher gehen Menschen ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um und drücken sie individuell aus – in der Auswahl von Kleidung, Blumen und eben auch in der Musik. Der eine mag sich humorvoll verabschieden, der andere rockig und der nächste wieder klassisch instrumental, nicht jeder Trauergast wird die Auswahl ebenso als passend empfinden. Aber wie kann es sein, dass oftmals die gleiche Musik erklingt, als gäbe es nur einige wenige Musikstücke?

Musik zur persönlichen Untermalung einer Abschiedsfeier – gerne ja!

Musik zur reinen Inszenierung einer dramatischen Klangkulisse – besser nein!

Nehmen Sie sich doch die Zeit und hören Sie in sich hinein, welche Musik Ihnen in Ihrer Trauer am Herzen liegt – dann liegen Sie mit Ihrer Auswahl sicher richtig und die Musik wird einen wichtigen Beitrag zum Abschied leisten.

Viele Bestatter haben auf ihren Webseiten ganze musikalische Bibliotheken zur Auswahl, hier finden Sie nicht nur die „Best of“, sondern können sich inspirieren lassen und etwas persönlich Passendes finden.

Eine schöne und innige Aufgabe in traurigen Zeiten!

 

 

Bild: By Petar Miloševic (Own work, stacked 8 macro images)
[CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

 


Gestern habe ich über den Tod nachgedacht …

Gestern habe ich darüber nachgedacht, was wohl passiert, wenn ich mal tot bin. Also ob ich dann in den Himmel komme und so. Wie es da so aussieht und ob es den Menschen da gut geht. Dann habe ich mich gefragt, ob es den Himmel überhaupt gibt. Meine Schwester hat gesagt, das alles ist Blödsinn. Wenn wir tot sind, dann sind wir tot. Da ist dann nichts mehr. Nur Schwärze und so.

Ich weiß nicht, ob sie recht hat. Mama glaubt an den Himmel und ich weiß, dass Mama oft recht hat. Also hoffe ich, dass es den Himmel gibt und dass ich mal dorthin komme. Aber ich weiß es ja nicht und wenn es soweit ist, dann kann ich ja eh nichts daran ändern. Also brauche ich auch nicht darüber nachzudenken.

Nur gibt es ja dann nicht nur mich, wo immer ich dann bin, sondern auch die anderen: meine Schwester und meinen Bruder und meine Mama und meinen Papa und Oma und Opa und meine andere Oma und meinen anderen Opa. Die sind bestimmt traurig, weil ich nicht mehr da bin. Sie wollen bestimmt auch, dass ich es gut habe und dass meine Beerdigung schön ist. Und dann habe ich über Beerdigungen nachgedacht.

Das ist ja ganz unterschiedlich. Die Oma von meiner Freundin wurde auf einem Friedhof beigesetzt, wie sich das gehört, aber der Vater von einem aus meiner Klasse, der wurde erst verbrannt und dann wurde die Asche mitten auf dem Meer begraben. Also begraben ist ja nicht das richtige Wort, sie wurde einfach in so einem Gefäß ins Wasser gelassen. Und dieses Gefäß löst sich dann auf und dann ist dieser Mensch da mitten im Meer, überall.

Ich finde, das ist ein schöner Gedanke, überall im Meer zu sein. Ich habe darüber nachgedacht, dass ich das auch gerne so hätte. Da schwimme ich dann in ganz kleinen Teilchen im Wasser und kann die ganze Welt sehen. Das Meer ist ja riesig und ich kann überallhin. Und wenn es warm ist, dann gibt es Wasserdampf und vielleicht bin ich dann auch in dem Wasserdampf und steige nach oben in den Himmel. Und wenn es da oben dann kalt wird, dann komme ich als Schnee oder Regen wieder herunter und kehre zurück ins Wasser. Dann bin ich ein Teil des Wasserkreislaufs, wie wir ihn in Erdkunde gelernt haben. Das ist doch voll schön, oder? Wenn wir uns jetzt vorstellen, all die Menschen, die jetzt nicht mehr da sind, sind die ganze Zeit im Wasser oder in der Luft. Also, ich find‘ das toll.

Aber dann habe ich gedacht, dass Mama das vielleicht nicht so schön findet. Als Uropa und dann Uroma gestorben sind, da gab es so eine richtig riesige Beerdigung und da denkt sie manchmal noch dran und wenn es ihr schlecht geht, dann geht sie zum Friedhof und besucht Uroma und Uropa. Sie nimmt dann immer Blumen mit und legt sie aufs Grab und manchmal nimmt sie auch eine Kerze mit. Einmal haben wir die zusammen angezündet. Mama hat gesagt, das Feuer ist wie die Erinnerung. Wir haben sie die ganze Zeit bei uns und können sie jederzeit hervorholen, indem wir an jemanden denken. Wenn wir ganz fest an jemanden denken, dann ist das wie diese Kerze, die für eine Weile ganz hell leuchtet. Damit halten wir die Erinnerung am Leben, indem wir sie immer wieder leuchten lassen. Dann wissen wir, dass sie noch da ist, und sie gibt uns Licht, wenn wir uns mal so fühlen, als wäre alles dunkel, weil wir traurig sind.

Jedenfalls weiß ich, dass Mama das nicht so gut fände, wenn ich überall im Wasser und in der Luft wäre. Ihr ist es bestimmt lieber, wenn ich einen schönen Platz auf dem Friedhof habe. Und wenn sie mal traurig ist, dann kommt sie mich besuchen und wir reden ein bisschen. Natürlich können wir nicht wirklich miteinander reden, aber manchmal fühlt sich das auf dem Friedhof so an, als ob das geht. Das ist dann richtig schön. Ich habe das auch mal gemacht mit Uroma und Uropa und obwohl ich die beiden gar nicht so richtig kannte, hat sich das gut angefühlt. Es waren auch ganz, ganz liebe Menschen, hat Mama gesagt. Und sie waren immer für uns da und haben oft auf mich und Lara aufgepasst, wenn Mama und Papa mal unterwegs sein mussten. Und wir haben uns immer darauf gefreut, sagt Mama.

Ich habe mal gehört, dass Friedhöfe manchmal auch anders sein können. Also nicht so, dass ein Grabstein neben dem anderen steht. Sondern da gibt es schöne Bäume und unter den Bäumen liegen dann die Menschen und die Bäume passen auf sie auf. Ich glaube, so etwas will ich auch. Dann bin ich zwar auf dem Friedhof, aber es ist doch irgendwie, als wäre ich in der Natur. Dann kann ich vielleicht doch ein Teil der Natur sein und wenn Mama mich besuchen kommen möchte, dann kommt sie einfach vorbei.

Weil ich das alles so wichtig finde, habe ich dann noch viel mehr über meine Beerdigung nachgedacht. Auch wen ich dahaben will und wie das alles dann so abläuft. Ich will, dass es die Leute auf meiner Beerdigung gut haben und deswegen gibt es auch ganz lecker Essen. Aber erst danach, denn auf dem Friedhof isst man ja nicht. Ich will auch so schöne Musik haben, die dann gespielt wird, und ganz viele Blumen. Ich mag Blumen und wenn die überall sind, dann freut sich Oma bestimmt ganz doll, weil die mag auch voll gerne Blumen.

Ich hab‘ das dann aufgeschrieben und dabei sind mir noch ganz viele Gedanken gekommen. Wie der Sarg aussehen soll oder ich glaube, wenn ich unter einem Baum sein möchte, dann ist das eine Urne. Ganz bunt soll die sein. Sowas gibt es auch schon. Ich habe mir an Papas Computer ein paar Bilder angeguckt und dann eine ausgesucht. Ich habe auch aufgeschrieben, wer alles kommen soll, und die sollen alle ganz schöne Karten bekommen als Einladung. Bei Uroma war da ein Bild von ihr drauf, aber ich möchte ein Bild von unserer ganzen Familie. Das ist viel schöner, weil das heißt, dass wir dann immer noch zusammen sind. In Gedanken jedenfalls, weil wir uns ganz doll liebhaben.

Als ich dann alles auf einen Zettel geschrieben habe und sogar Bilder dazu gemalt, habe ich es Papa gezeigt. Er hat mich erst ganz komisch angesehen und mich gefragt, warum ich denn über so etwas nachdenke. Aber als ich dann gesagt habe, dass das wichtig ist, weil ja sonst keiner weiß, wie ich das haben will, hat er gelacht. Und dann hat er gesagt, dass man das auch beim Bestatter machen kann, und der schreibt das dann alles für einen auf. Als ich gefragt habe, ob er das gemacht hat, hat er bloß mit dem Kopf geschüttelt. Also habe ich gesagt, dass wir ja zusammen mal hingehen können, ich mit meinen Zetteln und er kann sich ja auch mal Gedanken machen. Ich helfe ihm auch dabei. Dann hat er wieder gelacht, aber nur kurz. Plötzlich hat er so ernst geguckt. Das macht er immer, wenn er ganz doll nachdenkt. Und dann hat er gesagt, in Ordnung, das machen wir. Jetzt gehen wir bald zusammen zum Bestatter. Ich bin gespannt, was der sagt.

 

Bild: By Charlesjsharp - Own work, from Sharp Photography, sharpphotography, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49684512

 


Still gedenken, zur Ruhe kommen oder protestieren.

Der Karfreitag als Fest für Christen − und für jedermann in Bayern.

Der Todestag Jesu ist nicht nur DER katholische und evangelische Gedenktag, er ist auch ein gesetzlicher Feiertag, der für alle Bürger – Christen und Nichtchristen − gilt. Nicht nur Geschäfte sind an diesem Tag geschlossen, sondern auch Diskotheken, Gaststätten, Kinos und andere Freizeitbetriebe durften bislang gar nicht, oder nur mit einer Sondergenehmigung, öffnen.

Eine solche zu bekommen, war bislang allerdings ungewöhnlich, denn laut Definition ist eben besonders der Karfreitag ein „stiller Tag“, an dem auch in Bayern gemäß dem Feiertagsgesetz alle Unterhaltungsveranstaltungen, bei denen „der diesen Tagen entsprechende ernste Charakter“ nicht gewahrt wird, verboten sind.

Dies soll sich nun – in Bayern − ändern. Denn laut des Beschlusses des Bundeverfassungsgerichts vom 27. Oktober 2016 ist der Schutz des Karfreitags in Bayern unverhältnismäßig streng. Bereits 2007 gab es eine Verfassungsbeschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit“ (bfg), dem eine geplante Veranstaltung unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenqual“ verboten wurde. Für Assunta Tammelleo, die nach dem Verbot der Heidenspaß-Party 2007 für den bfg München geklagt hatte, soll nun mit der diesjährigen Veranstaltung nicht zuletzt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gefeiert werden: „Endlich wurde eine gesetzliche Regelung aufgehoben, die religionsfreie Menschen völlig unnötigerweise in ihren Freiheiten einschränkt.“

Was „stille Feiertage“ sind, ist in den deutschen Bundesländern unterschiedlich festgeschrieben, auch was erlaubt und verboten ist. Fürsprecher dieser Tage sind vor allem die Kirchen, die diese nicht nur als religiöse Angelegenheit sehen, sondern ihnen auch einen umfassenden gesellschaftlichen Nutzen zuschreiben. „Die stillen Feiertage bringen eine Unterbrechung in den rastlosen Alltag und sind auch für Familien wichtig, damit sie zur Ruhe kommen können“, so das katholische Erzbistum München und Freising.

Ob der Beschluss des Bundeverfassungsgerichts allgemein zu einer Flut von Anträgen zur Genehmigung von Unterhaltungsveranstaltungen an Karfreitag geführt hat, ist nicht kommentiert.

Und wie ein jeder Bürger und/oder Christ dies für sich persönlich sieht und hält – auch nicht.

 

Quelle: Bundeverfassungsgericht.de, presseportal.de


 

Bild:Von Maulaff − Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18982729

 


Früher und heute und überhaupt – alles verändert sich

„Früher war alles besser“ – wie oft haben wir diesen Satz schon gehört oder gar selbst gesagt? Und stimmt er denn? War früher wirklich alles besser? Und ist das überhaupt wichtig?

Die Welt verändert sich und mit ihr die Gesellschaft und auch wir. Sogar unsere Erinnerung ist wandelbar – es sind vorwiegend die guten Erfahrungen, die wirklich hängen bleiben, und manch vergangenes Ereignis bekommt dazu noch diesen nostalgischen Schimmer. In der Gegenwart ist es meist genau umgekehrt: Wir konzentrieren uns auf Negatives, während wir dem Positiven kaum Beachtung schenken. Warum nicht einfach mal andersherum an die Sache herangehen?

Das ist natürlich gar nicht so leicht, wenn der Fortschritt einem kaum Zeit zur Gewöhnung lässt. Die Veränderungen kommen immer schneller. Kaum haben wir uns an den Gedanken gewöhnt, mit dem PC zu schreiben und überall telefonieren zu können, läuft auf einmal schon der Großteil der Kommunikation über digitale Wege und wir fangen sogar an, mit unseren Geräten zu sprechen. Da ist es bloß verständlich, wenn einem dieser Wandel Angst macht – schließlich wissen wir nicht, wohin das alles führt.

Aber ist diese Angst wirklich begründet? Oder ist es vor allem die Furcht vor dem Unbekannten, das wir häufig als Bedrohung ansehen? Dabei können wir es doch genauso gut als Chance begreifen. Das ist allein unsere Entscheidung. Stellen wir uns doch einfach mal vor, wir wären heute noch auf dem Stand des Mittelalters – wäre das wünschenswert?

Wir können das Rad der Zeit nicht anhalten. Wir können uns dagegenstemmen und irgendwann überrollt werden. Oder wir setzen uns wohlwollend mit dem Neuen auseinander und schauen, was sich damit anfangen lässt. Schließlich haben wir die Möglichkeit, unsere zukünftige Welt ein kleines Stück weit mitzugestalten. Und das ist doch schließlich etwas Gutes – oder?

 



Bild:Von Dietmar Rabich − Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54398711

 


Weil dieser Verlust mehr als wehtut!

Am 08. Februar 2017 hat das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf des BMJV zum Hinterbliebenengeld beschlossen.

„Die Trauer um den Tod eines nahestehenden Menschen kann niemals in Geld aufgewogen werden. Aber: Hinterbliebene eines Opfers fremdverursachter Tötung verdienen jede Hilfe und Unterstützung. Neben einer entsprechenden seelsorgerischen und sozialen Betreuung wird dazu künftig auch ein Hinterbliebenengeld gehören: Wer für den Tod eines Menschen verantwortlich ist, muss künftig die Hinterbliebenen des Opfers angemessen entschädigen.“ Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas

Dies ist ein Meilenstein in der Rechtsprechung und ergänzt den bislang geltenden Anspruch auf Schmerzensgeld, auf das man auch nur dann Anspruch hatte, wenn ein medizinisch nachgewiesener erheblicher „Schockschaden“ entstanden ist.

Der neue Anspruch gilt ab sofort und wird nun verbindlich in das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt und ist somit rechtsverbindlich. Demnach sind anspruchsberechtigt diejenigen Hinterbliebenen, die in einem besonderen persönlichen Näheverhältnis zum Getöteten stehen. Das sind in erster Linie die engen Verwandten, wie Ehegatten, Kinder und Eltern. Es können aber auch andere nahe Personen berechtigt sein. Diese müssen das besondere Näheverhältnis zum Getöteten belegen und gegebenenfalls auch beweisen.

Zahlungspflichtig ist der Verursacher der Tat - also der Mörder, der Terrorist, der Totschläger und auch der schuldhafte Verursacher eines tödlichen Verkehrsunfalls, sofern er noch am Leben ist. Der Rechtsanspruch kann nur gegen den Verursacher direkt durchgesetzt werden. Die Höhe des Anspruches steht im Ermessen der Gerichte und wird mit Summen zwischen 10.000 und 60.000 € diskutiert.

„Eine Anerkennung des seelischen Leids der Angehörigen durch die Rechtsordnung“ ist die Grundlage für die Entschädigung. „Die Entschädigung soll und kann keinen Ausgleich für den Verlust eines nahestehenden Menschen darstellen. Das Hinterbliebenengeld kann aber helfen, finanzielle Sorgen aufgrund des persönlichen Verlustes zu vermeiden …“, so Bundesjustizminister Heiko Maas.

 

 

Quelle: BMJV, 08. Februar 2017 Bild:Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/"Dülmen, Wiese am Strandbadweg -- 2016 -- 5670-6" / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


Stark durch Schwäche – leben im Bewusstsein der Endlichkeit

Ist Ihnen das Bärtierchen ein Begriff? Nein? Wahrscheinlich sind Sie ihm bereits begegnet, aber sicher ist es Ihnen nicht weiter aufgefallen. Das Bärtierchen ist nämlich sehr klein – weniger als einen Millimeter groß. Dafür ist es sehr niedlich. Aber eben nur, wenn man es auch sieht.

Die eigentliche Besonderheit am Bärtierchen ist aber, dass es als quasi unzerstörbar gilt. Bärtierchen können sich in eine Art Starre (genannt Kryptobiose) versetzen und in diesem Zustand jahrelang verharren, bis sie schließlich wieder zum Leben erwachen. Sie sind absolut widerstandsfähig und brauchen sich um kaum etwas Sorgen zu machen – ganz im Gegensatz zu uns.

Wir Menschen sind geprägt von der Vorstellung, dass es eines Tages vorbei sein könnte. Und nicht nur eines Tages, sondern vielleicht sogar jeden Moment. „Lebe jeden Tag, als könnte er dein letzter sein“ – so lautet ein viel zitiertes Motto. Und das ist es letztendlich, was uns ausmacht: Wir sind uns unserer Endlichkeit bewusst. Gerade dadurch lernen wir den Moment zu schätzen.

Doch dieses Konstrukt hält immer nur so lange, bis wir einmal direkt mit unserer Endlichkeit konfrontiert werden. Im Angesicht eines Verlustes ist es leicht, den Sinn hinter dem eigenen Sein komplett infrage zu stellen. Der Gedanke hat etwas Verführerisches und zugleich durch und durch Destruktives. Es ist zu leicht, sich der Verzweiflung hinzugeben. Am Ende ist es das Wiederaufstehen, das wirklich Sinn macht.

Es ist schwer, die Momente des Alleinseins zu überstehen, wenn uns gerade ein wichtiger und lieber Mensch genommen wurde. Es ist leicht, die Endlichkeit als große Bürde zu verstehen – aber in Wahrheit ist sie noch immer ein Geschenk. Wie oft haben wir das Gefühl, unsere Zeit nicht ausreichend genutzt zu haben? Den wichtigen Menschen und Dingen nicht hinreichend Aufmerksamkeit geschenkt zu haben? Erst wenn etwas weg ist oder zumindest im Verschwinden begriffen, wird uns wirklich bewusst, wie wertvoll es eigentlich für uns ist. Und ist es nicht genauso mit dem Leben? Wenn wir nicht wüssten, dass es eines Tages endet – was würden wir denn noch mit unserer Zeit anstellen?

Wir sind keine Bärtierchen. Wir haben nicht diese unglaublichen körperlichen Fähigkeiten, um jeglichen Widerständen zu trotzen. Aber wir haben unser Denken, unser Bewusstsein, unser Leben im Augenblick. Und das sollte doch allemal Grund genug sein, um immer wieder aufzustehen und die uns gegebene Zeit zu nutzen und zu genießen. Das Leben zu spüren – im Guten wie im Schlechten.

 

Bild: Von Frank Fox - http://www.mikro-foto.de, CC BY-SA 3.0 de
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20217344

 


Wie im Taubenschlag …
Kolumbarien – Grabstellen der Zukunft?

Kolumbarium: lateinisch columbarium „Taubenschlag“, zu columba „Taube“

„Aus der Antike in die Zukunft!“ - so könnte eine Geschichte über Kolumbarien beginnen. Denn was vermeintlich neu ist und noch viele Friedhofsbesucher erstaunt, hat bereits eine jahrhundertelange Geschichte hinter sich.

Die ersten Kolumbarien stammen aus der Neuzeit und befinden sich in und rund um Rom. Ursprünglich war diese Art der Bestattung für die zahlreichen Sklaven der vermögenden Leute gedacht, denn diese hatten auch die Bestattungspflicht für ihre Sklaven inne. Aber auch freie Bürger mit geringeren finanziellen Mitteln erwarben hier ihre letzte Ruhestätte.

Ende des 19. Jahrhunderts hielten Kolumbarien in Deutschland ihren Einzug. 1878 wurde in Gotha das erste deutsche Krematorium zur Feuerbestattung eröffnet. Dem Krematorium angeschlossen war eine große Halle, in der die Urnen der Verstorbenen beigesetzt wurden – ein Kolumbarium. Schon wenige Jahre später waren alle Plätze vergeben und es wurde ein eigenständiges Kolumbarium gebaut. Es folgten Kolumbarien in Wiesbaden, Leipzig und Berlin. Um günstige Bestattungsarten geht es nun schon lange nicht mehr, die Urnenbestattung ist Teil der Bestattungskultur mit Aufwärtstrend.

Nach der Akzeptanz der Feuerbestattung durch die katholische Kirche wird der Anteil der Feuerbestattungen immer größer. Die Gründe hierfür sind vielfältig und haben sehr oft nichts mehr damit zu tun, eine besonders günstige Bestattung zu haben. Heute gibt es Kolumbarien in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Auf vielen Friedhöfen werden antike Grabanlagen in Kolumbarien umgewandelt, Kirchen und Kapellen werden umgewidmet und ebenfalls als moderner Urnenbestattungsort genutzt. Die architektonischen Lösungen sind oftmals sehr modern und dokumentieren den Wandel der Trauerkultur. 2004 eröffnete in Krefeld das erste Kolumbarium auf einem christlichen Friedhof, etliche folgten seither. Tendenz steigend.

Auch Urnenstelen gehören mittlerweile zum bekannten Bild des Friedhofs. Engagierte Friedhöfe inszenieren diese Orte der Erinnerung auf schöne Art und Weise und integrieren sie geschickt in die grünen Oasen der Städte.

 

 

Bild: Von Chlor at da.wikipedia, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14638348


Friedhof verändern – Teil 2: In die Mitte des Lebens rücken

Wenn Sie sich einen Ort vorstellen, an dem Sie morgens vor der Arbeit eine Runde joggen gehen, wo Sie in der Mittagspause die warmen Sonnenstrahlen auf den geschlossenen Augenlidern genießen und dann am Nachmittag gemeinsam mit Ihren Kindern eine Picknickdecke ausbreiten, um den Alltagsquerelen zum Trotz einige dieser so wertvollen Kodak-Momente zu erleben – woran denken Sie da? Sicher nicht an Friedhof. Aber wäre das so absurd?

Die meisten Friedhöfe sind sehr stille und irgendwie auch ein wenig trostlose Orte. Menschen kommen hierher, um zu trauern. Jeder Ausdruck von Fröhlichkeit oder gar ein glockenklares Lachen, das über die Gräber schallt, käme einem Frevel gleich. Es ist allgemeiner Konsens, sich auf einem Friedhof möglichst ruhig und „respektvoll“ zu verhalten. Das gehört sich einfach so.

Das Problem dabei ist: Der Friedhof, so wie er jetzt besteht, ist vom Aussterben bedroht. – Ironie des Todes, könnte man sagen.

Immer weniger Menschen legen wirklich Wert auf ein schönes Grab. Und warum auch, wenn dieser Wert kaum noch spürbar ist? Lohnt sich der Aufwand denn überhaupt für den obligatorischen Friedhofsbesuch einmal im Jahr? Da können wir doch lieber gleich die Sparvariante nehmen. Die, bei deren Anblick sich die Trauer quasi ganz von alleine einstellt.

Doch es geht auch anders – an manchen Orten bereits heute schon:

Mitten auf dem Dortmunder Hauptfriedhof weiden Schafe auf einer großen Wiese. Tagsüber trifft man auf den Wegen immer mal wieder Sportler an, teils sogar in größeren Gruppen. Auch die Tier- und Pflanzenwelt zeigt sich hier von ihrer besten Seite. Es gibt viel zu sehen. Eine Zeit lang soll sogar einmal ein Mann auf diesem Friedhof gelebt haben – so sagt man sich.

Dieses und andere Beispiele geben einen kleinen Ausblick auf das, was Friedhof werden kann: ein Ort, der den Tod und das Leben vereint. Hier geht es nicht nur um Trauer, sondern vielmehr um all die schönen Erinnerungen, die uns auch weiterhin begleiten. Doch damit das möglich ist, müssen wir den Friedhof mehr in unsere Mitte rücken und offener mit diesem Thema umgehen – miteinander sprechen, verändern, gestalten. Sicher, die eigentliche Handlung spielt sich dann vor allem dort ab, wo Friedhofsverordnungen aufgesetzt werden. Aber grundsätzlich ändern muss sich etwas erst einmal ganz woanders: in unser aller Köpfen.

 

By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons


Reformation gestern – heute – morgen: Martin Luther in 2017

Die evangelische Kirche bereitet sich auf die Feierlichkeiten zu 500 Jahren Reformation vor.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ So klingt einer der ersten Werbeslogans der Neuzeit: griffig, einprägsam, melodiös.

 

 

Wohl von Johann Tetzel, oder manche sagen auch von Martin Luther selbst, erfunden und damals in aller Munde – der Werbeslogan für den Ablassbrief, eine „Versicherungspolice für das Jenseits“. Ein gut gehendes Geschäftsmodell, zumindest bis zum 31.10.1517. An diesem Tag schlug Martin Luther, Augustiner-Mönch, Priester und Theologe, seine 95 Thesen gegen genau diese Verfahrensweise an die Tür der Wittenberger Schlosskirche und die Reformation nahm ihren Lauf.

500 Jahre später wird er groß gefeiert, der Reformator – mit all seinen guten Seiten, aber auch heute mit einem kritischen Blick vor allem auf seinen ausgeprägten Antijudaismus.

Überall gibt es spektakuläre Großereignisse und Events zu seinen Ehren und zur Feier der reformierten Kirche.

„Die Reformation trennt uns nicht mehr“, soll laut EKD-Ratsvorsitzendem Heinrich Bedford-Strohm* eine der Kernbotschaften der evangelischen Kirche sein. Das Jahr 2017 soll ökumenisch, als Christusfest gefeiert werden und nicht als evangelisches Ereignis. Auch Papst Franziskus äußert sich im ökumenischen Sinne: „Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde“, sagte Papst Franziskus im südschwedischen Lund zu Beginn des Luther-Jahres am 31. Oktober 2016.*

Bis zum 31. Oktober 2017 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland mit Hunderten von Veranstaltungen an den Thesenanschlag und die daraus resultierenden Reformen. „Play Luther“ – ein musikalisches Theaterstück über das Leben und Werk von Martin Luther, „Pop Oratorium-Luther“ – das Projekt der Tausend Stimmen sind in aller Munde. Aber auch kleine und besinnliche Veranstaltungen laden ein, sich mit Kirche, Glauben und Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Viele Infos zum Martin-Luther-Jahr gibt es unter: www.luther2017.de und auf den Webseiten oder Gemeindebriefen Ihrer Gemeinden.

*Quellen: Thüringer Allgemeine 10.05.2016; Zeit Online, 31.10.2016.

Bild: Lucas Cranach the Elder [Public domain, GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

 


Friedhof verändern – Teil 1: Anker der Erinnerung statt Abstellgleis

Friedhöfe sind toll: Da ist ein Ort für jene Menschen, die uns entrissen wurden, und wir können jederzeit dorthin, um sie zu besuchen. Natürlich nicht „besuchen“ in dem Sinne, wie wir alte Freunde besuchen – dennoch gibt uns die Grabstelle ein besonderes Gefühl der Nähe und der Verbundenheit.


 

Und warum gehen wir dann nicht regelmäßiger auf den Friedhof?

Doch Friedhöfe sind oft auch alt und insgesamt wenig attraktiv. Das Grusel-Flair aus Kindheitstagen geistert noch immer leise durch den Hinterkopf und findet sich bloß bestätigt, wenn bei einem dieser lästigen Pflichtbesuche wieder alles durch und durch nach Friedhof aussieht. Park ist irgendwie schöner.

Aber das ist auch nur ein Teil der Wahrheit.

Der eigentliche Grund besteht darin, dass wir Friedhof unmittelbar mit dem Tod verbinden – und wir haben Angst vor dem Tod. Obwohl oder gerade weil er zu jenen Themen gehört, die wirklich jeden von uns betreffen, schieben wir ihn so weit wie möglich von uns weg. Und mit ihm auch jene Menschen, die wir an ihn verloren haben. Friedhof ist ein bisschen wie Altersheim: Es ist ein gutes Gefühl, einen nahestehenden Menschen dort gut aufgehoben zu wissen. Aber der Gedanke an einen Besuch verursacht immer ein leicht mulmiges Gefühl.

Sicherlich wäre es gut für uns alle, den Tod als Tabuthema aufzubrechen. Gespräche über ihn gesellschaftsfähig zu machen. Es wäre vermutlich ein befreiender Schritt – dafür sicherlich kein leichter.

Fangen wir also klein an: mit dem Friedhof.

Wenn ich einen Friedhof betrete, dann denke ich nicht an den Tod – sondern an einzigartige Menschen und an das Leben, das sie geführt haben. Wäre das Leben ein Film, dann wäre der Tod bloß der Abspann. Er gehört dazu. Aber er ist nicht das, weswegen wir uns einen Film noch mal anschauen.

 


„Die Schranke der Hölle“, ein Museumsbesuch der besonderen Art!

 

Barrière d´Enfer − so der Name des Haupteinganges der Katakomben von Paris. Eine Unterwelt, die ihresgleichen sucht.

 

 Bild: Janericloebe (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons

Bild: Janericloebe (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons

 

Wir befinden uns Ende des 18. Jahrhunderts. Paris an der Seine wächst und wächst und zählt an die 500. 000 Bewohner. Die Metropole erbaut sich seit fast 2.000 Jahren aus sich selbst heraus. Steine, Gips und Ton für den Bau der Stadthäuser werden direkt unter der Metropole gewonnen. Ein riesiges Stollennetz entsteht − und ein statisches Problem. Ganze Häuserzüge stürzen ein und so veranlasst eine königliche Inspektion gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Schließung der Steinbrüche.

Parallel zur Stilllegung der Steinbrüche tauchte in Paris ein neues Problem auf. Viele Friedhöfe waren durch die hohe Sterblichkeit in dieser Zeit hoffnungslos überbelegt, es entstanden unhaltbare hygienische Zustände. Die Friedhöfe wurden geschlossen − und geräumt.

Ab 1785 wurden die exhumierten Gebeine in die Katakomben von Paris überführt. Die Totengräber stapelten nun in nahezu unvergleichlicher Weise Schädel und Knochen in einer bestimmten Anordnung aufeinander. Ein Massengrab von künstlerischer Ästhetik entstand aus Skeletten von über sechs Millionen Menschen.

Heute kann man dieses einzigartige Labyrinth in Teilen besuchen und sich eine Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. Bei modriger Luft und konstanten 14 Grad Lufttemperatur sollte man sich „warm anziehen“, denn die Pariser Unterwelt ist nichts für Zartbesaitete.

Der Trakt „nebenan“ gehört übrigens der französischen Nationalbank, die dort angeblich ihren Goldschatz untergebracht hat.

Mehr Informationen bzgl. Führungen und Öffnungszeiten findet man im Netz unter dem Thema: Paris und seine Sehenswürdigkeiten bzw. unter dem Stichwort: Katakomben von Paris.

 

Bild: nicht bekannt, Abbildung im Museum Catacombes de Paris, via Wikimedia Commons

Bild: nicht bekannt, Abbildung im Museum Catacombes de Paris, via Wikimedia Commons

 


 

Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium.

 

So lautet der Titel eines jüngst erschienenen Buches - eine Art Arbeitsplatzbeschreibung einer amerikanischen Bestatterin aus Los Angeles.

 

Unter der Rubrik „Zeitgeist“ und der Überschrift „Todesmutig“ konnte man im Spiegel, Ausgabe 3 vom 16.01.2016, von der Ankündigung der deutschen Ausgabe lesen. „Es ist ein makabres wie komisches Plädoyer für einen unbefangenen Umgang mit dem Tod, vor allem aber mit den Toten“.

 

Diese Ankündigung hört sich interessant an und lässt darauf hoffen, dass eine recht junge Autorin (Geburtsjahr 1986) einen klaren Blick auf das Thema wirft und in ansprechender, aktueller und unterhaltsamer Art und Weise unseren oftmals verklemmten Umgang mit dem Tod neu beleuchtet. Ja - vielleicht sogar einen Imagewandel in Sachen „Umgang mit dem Tod“ anstrebt.

 

Also: Leseprobe downloaden. Hinsetzen und sich freuen. Allein die ersten Sätze unter „Mehr zum Buch“ lassen Unschönes erahnen. „Wie befördert man übergewichtige Tote aus dem obersten Stockwerk auf die Straße? … Und wie bekommt man Knochen in die Urne?“ Nun gut, die Neugier siegt und das erste Kapitel wird gelesen.

 

Spätestens bei „Oh Gott, heilige Scheiße, was ist denn das …?“ ist Schluss, die darauf folgende Beschreibung einer Leiche im fortgeschrittenen Verwesungsstadium ist schlicht zu viel des Guten.

 

Schade - denn es wäre mal wirklich an der Zeit gewesen für eine unterhaltsame Lektüre, die tatsächlich daran interessiert ist, das Thema Tod aus seiner Tabuecke der Gesellschaft zu holen. Aber dies doch bitte immer mit Respekt und Würde! Vor den Verstorbenen und den Angehörigen!

 

Infos zum Buch: Caitlin Doughty, Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium, Verlag C.H. Beck


Foto: I, Marcus Obal, CC-BY-SA-3.0 , via Wikimedia Commons

Foto: I, Marcus Obal, CC-BY-SA-3.0 , via Wikimedia Commons

 


 

von Mikel Ortega from Errenteria, Basque Country, Spain, with a retouche by Richard Bartz. [CC BY-SA 2.0]

Bild: Mikel Ortega from Errenteria, Basque Country, Spain, with a retouche by Richard Bartz. [CC BY-SA 2.0]

„Mein erstes Mal …!“

Irgendwann ist es so weit, ein Mensch aus unserem näheren Umfeld stirbt und wir nehmen teil. Aber wie geht das eigentlich − teilnehmen an einem Todesfall?

Der langjährige nette Nachbar ist verstorben und wir erfahren davon. Von der Nachbarin, über einen Trauerbrief oder aus der Zeitung. Und wir wissen, da gibt es die Tochter des Verstorbenen, die regelmäßig zu Besuch kam. Gerne wollen wir uns mitteilen, unser Beileid aussprechen und vielleicht sogar etwas Trost spenden. Aber was ist passend, was angebracht und was gewünscht?

Eine Kondolenz schriftlich oder auch mündlich auszudrücken, ist nicht ganz einfach. Dennoch sollten wir nicht darauf verzichten, denn Worte helfen den Hinterbliebenen und Trauernden und auch letztlich uns selbst.

Ein paar Tipps:

  • Sprechen Sie die Hinterbliebenen direkt an: „Liebe Frau/Herr oder Familie Müller“
  • Formulieren Sie Ihre Betroffenheit: „Mit großem Bedauern hören wir …“, „Berührt möchten wir unser Beileid aussprechen.“, „Mein Mitgefühl gehört Ihnen.“
  • Senden Sie einen Gruß und Wunsch: „Wir wünschen Ihnen viel Kraft/Mut/Zuversicht.“
  • Wählen Sie eine Karte mit einem tröstlichen Motiv und einem Spruch oder Zitat, das Sie persönlich schön und passend finden.
  • Unterschreiben Sie handschriftlich.
  • Schreiben Sie keine E-Mail, SMS oder WhatsApp.

Der Besuch der Trauerfeier ist abhängig von den Wünschen der Angehörigen. Steht in der Traueranzeige „Beisetzung im engsten Familienkreis“, ist kein Besuch erwünscht. Ist die Formulierung offen: „Die Trauerfeier findet am Freitag, den 27.05.2016 um 10 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt“, ist es einem selbst überlassen, teilzunehmen, aber man ist willkommen. Gleiches gilt für den persönlich erhaltenen Trauerbrief. Für die Teilnahme an einer Beerdigung gibt es heute keine starren Regeln mehr, denn der Grund der Zusammenkunft gibt ohnehin den Ton an. Seien Sie einfach pünktlich und kleiden Sie sich für sich passend. Ein kleiner Blumengruß zum Abschied ist nie verkehrt und kann am offenen Grab niedergelegt werden. Ein Händedruck und ein „herzliches Beileid“ trösten die Hinterbliebenen.

Ein Todesfall ist vor allem traurig und nie alltäglich, aber er gehört zum Leben!

 


 

von H.p.frei (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (httpcreativecommons.orglicensesby-sa4.0)], via Wikimedia Commons_Piktogramm_Arzt.svg

Bild: von H.p.frei (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons_Piktogramm_Arzt.svg

Leichenschau in Deutschland − ein interessanter Fall.

Westfälische Rundschau, Samstag, 06. Februar 2016: „Leichenschau bereitet große Probleme. Pfusch bei der Begutachtung von Toten kommt häufig vor. Kripo-Beamte fordern einen Profi-Leichenbeschauer. Gerichtsmediziner für bessere Ausbildung.“

So der Titel des großen Berichts „Thema des Tages“ der Tageszeitung WR. In Brandenburg hatte eine Notärztin den Leichnam eines 51-Jährigen untersucht und eine natürliche Todesursache bescheinigt. Übersehen hatte die Ärztin drei Stichwunden. Vermutlich waren sie dem Bestatter bei der hygienischen Versorgung des Verstorbenen aufgefallen.

Eine unangenehme Überraschung, die den Bestatter erstaunte und die Hinterbliebenen − so sie denn ahnungslos waren − sicher schockierte. Die Beisetzung erfolgte nicht wie geplant, die Kripo musste eingeschaltet werden, der Leichnam wurde beschlagnahmt, die Trauernden mussten schlicht warten − oder bangen.

Das deutsche Bestattungsgesetz schreibt Hausärzten, Ärzten in Kliniken und eingeschränkt auch Notärzten eine genaue Vorgehensweise der Leichenschau vor. So ist die Leichenschau zum einen unverzüglich festzustellen und zum anderen muss der Verstorbene dabei entkleidet sein. Nur so ist eine umfassende Beschauung überhaupt machbar. Die Kürze der Zeit und in vielen Fällen auch ein Schamgefühl hindern Ärzte in der Realität aber oft genau daran − eine Leichenbeschauung findet oberflächlich statt, evtl. unnatürliche Todesursachen werden übersehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) schätzt die Fehlerquote bei der Leichenschau auf über 40 % und fordert eine besondere Qualifizierung und die kontinuierliche Weiterbildung der Ärzte. Denn die Todesbescheinigung dient nicht nur der Feststellung des Todes, sie darf auch für die Todesursachenstatistik, für Zwecke eines epidemiologischen Krebsregisters sowie für die Durchführung von wissenschaftlich-medizinischen Forschungsvorhaben von öffentlichen Einrichtungen mit der Aufgabe unabhängiger wissenschaftlicher Forschung verwendet werden. Sie ist also von öffentlichem Interesse.

Vielleicht erschließt sich hier aus der Debatte ja ein ganz neues Berufsbild für Ärzte und Pathologen − professioneller Leichenbeschauer.

Quellen: WR Tagesthema 06.02.2016, deutsches Bestattungsgesetz §22 f.

 


 

Bild: Von Takeaway - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0

Design − bis zum Schluss

Eine Urne ist längst nicht mehr nur eine Urne. Es gibt sie in vielfältigen Materialien, in allen denkbaren Farben, mit und ohne klassische  Ewigkeits-Motive und auch mit dem „Goldrand“. Die HSV-Urne und die Colani-Urne sind prominente Vertreter der Urnenkollektionen der letzten Jahre.
Manch eine Urne steht sogar als Ausstellungsstück in einem Museum.

Die Anzahl der Kremierungen pro Jahr und somit der Bestattungen in einer Urne hat die klassische Erdbestattung nicht nur in urbanen Regionen fast überholt, sie ist einfach eine moderne Bestattungsart, die viele Möglichkeiten offenhält.

„Brauchbares Alltagsdesign entwickeln“ ist eine der Zauberformeln der Industriedesigner.  Einem notwendigen Gebrauchsgegenstand mit geringer Attraktivität − wer schmückt sich schon gerne mit einer Urne? −  ein zeitgemäßes, innovatives und trotzdem passendes Outfit zu verleihen, ist eine spannende Aufgabe.

Für das jüngste Beispiel einer sehr individuellen Urne hat die klassische gusseiserne, achteckige Mokka-Kanne von Alfonso Bialetti (*1888, †1970) Pate gestanden. Sein Sohn Renato Bialetti, Chef des italienischen Kaffeemaschinenimperiums, verstarb Mitte Februar dieses Jahres. Seine Asche wurde in einer Urne beigesetzt, die in Form und Farbe eben genau dieser berühmten Kaffeekanne entspricht.

Design gibt es eben doch für jeden Anlass!

 


 

Organspende

Bild: Wikimedia - Rostocker - CC by 3.0

Organspende

Der Hirntod ist aus medizinischer und rechtlicher Sicht dem Tod des Menschen gleichgesetzt. Also sind wir tot, wenn es unser Gehirn ist. Oder doch erst, wenn unser Herz nicht mehr schlägt? Organspende ist spätestens seit 1968 ein immer aktuelles Thema. Damals definierten Wissenschaftler den bislang gültigen Zeitpunkt des anerkannten Todes neu. Seither wird der Tod auch dadurch definiert, dass eines unserer Zentralorgane außer Funktion ist − unser Gehirn. Der Hirntod ist gleichgesetzt mit den bislang geltenden Todesanzeichen wie Herzstillstand und Organversagen. Seit 1997 ist diese Definition auch per Transplantationsgesetz juristisch festgelegt.

Wie funktioniert eigentlich die Feststellung des Hirntodes?
Der Hirntod tritt ein, wenn die Gesamtfunktion des Gehirns − Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm − unwiederbringlich erloschen ist. Dies wird mit Hilfe unterschiedlicher Methoden ermittelt. Ein EEG zeichnet die Hirntätigkeit auf, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und fehlende Reflexe sowie Lichtstarre und Reaktionslosigkeit bei Schmerzfunktionstests geben Aufschluss über den Zustand des Patienten. Alle Tests müssen bei Erwachsenen nach mindestens 12 Stunden von einem anderen Arzt wiederholt werden. Erst im Falle einer absoluten Übereinstimmung und Feststellung des Hirntodes gemäß den Regeln zur Feststellung des Todes* wird der Hirntod und somit die Voraussetzung für eine Organspende erklärt.

Wie wird man Organspender?
Jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt, hat die Möglichkeit, sich formlos einen Organspendeausweis auszustellen, z.B. ist dies unter www.organspende-info.de möglich.[nbsp] Der Ausweis muss nicht rechtlich oder medizinisch bestätigt werden und wird auch nicht registriert. Somit hat es jeder Mensch zu Lebzeiten selbst in der Hand, bewusst Spender zu sein. Wird der Ausweis vernichtet, erlischt auch die Wirksamkeit. Gibt es diesen Ausweis nicht, werden im Fall eines Hirntodes die nächsten Angehörigen zu diesem Thema befragt. Eine schwere und schnell zu treffende Entscheidung für die Hinterbliebenen. Organspende ist zwischen den Naturwissenschaftlern und [nbsp]den Ethik-Kommissionen ein schwer umstrittenes Thema. Pro und Contra sind nicht eindeutig und verlässlich. Gerade deswegen sollte sich jeder ein persönliches Bild davon machen, mit seinen Angehörigen diskutieren und selbst entscheiden.

Informationen zu dem Thema finden Sie unter:
www.bmg.de
www.bundesaerztekammer.de
www.organspende-info.de


* (Richtlinie der Bundesärztekammer, § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG für die Regeln zur Feststellung des Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG und die Verfahrensregeln zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG)

 


 

Das Leben ist schön! Auch wenn es vergeht.

Bild: Wikimedia - Frebeck - CC by SA 3.0

„Das Leben ist schön! Auch wenn es vergeht.“

So ein neuer Songtitel der Sängerin Sarah Connor. Jüngst gesungen in memoriam für die Menschen, die in 2015 verstorben sind. Vor allem für die bekannten Menschen des öffentlichen Lebens, wie Helmut Schmidt, Hellmuth Karasek, Elisabeth Wiedemann, Henning Mankell, Omar Sharif und viele mehr.

All diese prominenten Menschen sind ihren letzten Weg gegangen. Sind versorgt und verabschiedet worden. Bestatter haben auch hier, wie in so vielen nicht prominenten Fällen, ihren Dienst getan. Sicher sehr genau, sehr bemüht und mit großer Empathie. Manchmal auch mit vorgegebenem Drehbuch. Denn Bestatter sind so, zumindest die guten. Bestatter wissen, was der letzte Weg für den Verstorbenen und vor allem für die Hinterbliebenen bedeutet.

Erinnerung!

Erinnerung für die Zukunft. Für die, die noch ein Stück weitergehen, manchmal ohne Begleitung.

Denn besonders für diese Menschen ist der Satz „Das Leben ist schön!“ eine wirklich wichtige Botschaft!

Wir wünschen einen guten Auftakt ins Jahr 2016.

 


 

Die größten Ereignisse der Welt sind nicht die lautesten, sondern die stillsten.

Bild: Wikimedia - Mingboaugdea - CC by SA 3.0

Die größten Ereignisse der Welt sind nicht die lautesten, sondern die stillsten.
Friedrich Nietzsche

Es ist Dezember und wir bewegen uns auf das Fest der Feste zu – Weihnachten steht vor der Tür. Still ist es in dieser Zeit nicht wirklich, zu viel hat sich geändert, seit damals der Stern über Bethlehem am Himmel stand.

Wissen wir noch, was Stille ist? Bestimmt können wir uns erinnern: an stille Stunden, an Stunden, in denen das Radio ausgeschaltet war und auch der Fernseher nicht lief, an Stunden, in denen wir alleine zu Hause waren und mit niemandem geredet haben.

Weihnachten ist heute in unserer Gesellschaft nicht mehr still, es ist rummelig, es ist materiell, es ist hektisch, es ist laut – es ist Stress! Hierfür gibt es ein Gegenmittel: Stille. Denn Stille ist mehr als die Abwesenheit von Geräuschen, sie ist ein Rückzugsort mit heilender Wirkung.

Wer sich in der Stille stärken, sich besinnen und Klarheit schöpfen kann, der kann auch das Laute genießen: den Weihnachtsmarkt, die belebte Einkaufsmeile, die Weihnachtsfeier mit Kollegen und die turbulenten Familienfeste.

In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

 


 

  Was ist ein Friedhof?

Bild: Jule Baumeister

Was ist ein Friedhof?

Ein Ort der letzten Ruhe, ein Ort der Stille, ein Ort für die Toten?

Oder ein lebendiger Ort der Begegnung, eine gepflegte Parkanlage für den Spaziergang, ein Museum, ein Arbeitsplatz für Gärtner, eine Joggingstrecke oder eine Oase in der Großstadt!

Viele andere Titel könnte man sich noch für „den Friedhof“ einfallen lassen – allen gemein ist aber, dass er weit mehr ist als nur ein Ort für unsere Verstorbenen. Der Friedhof ist Treffpunkt für die Lebenden und, obwohl geschaffen für viele, für jeden Einzelnen ein ganz persönlicher Ort.

Seit Jahren bewirbt die Gesellschaft für Dauergrabpflege die Friedhöfe mit der Kampagne „Es lebe der Friedhof“ und trifft hiermit genau den Kern der Sache. Die Vision der Initiatoren: den Friedhof wieder mitten ins Leben, in unsere Kultur und unsere Gesellschaft zu integrieren. Der Friedhof, ein kreativer und inspirierender Ort. (*)

Friedhöfe verlangen keinen Eintritt für den Sonntagsspaziergang im gepflegten Grün, sie erzählen Stadtgeschichte, sind Tummelplatz für engagierte Kleingärtner, Trendspiegel für neue Blumengebinde und Gestecke und oft Ideengeber für die nächste Bepflanzung des eigenen Gartens.

Kommen Sie doch mal vorbei! * www.es-lebe-der-friedhof.de

 


 

Von Heiligen, Reformern und Rübengeistern

Bild: Wikimedia – Sandra Eichhorn – CC by SA 3.0

Von Heiligen, Reformern und Rübengeistern

Sie alle drängen sich zwischen den Monaten Oktober und November eng an eng, und dies schon seit dem achten Jahrhundert: die katholischen Heiligen, die evangelischen Reformer und die heidnischen Geister.

Turbulent geht es am 31. Oktober zu. Fast im gleichen Alter wie das katholische Allerheiligen ist Halloween – oder eigentlich „All Hallow´s Eve“: ein ursprünglich heidnisches und von irischen Katholiken übernommenes Fest zur Vertreibung der Geister und zum Schutz gegen Tod und Verderb. Ein heute in allen Varianten verdrehtes Fest, das mit seinen Ursprüngen rein gar nichts mehr zu tun hat. Selbst die einstige Rübe ist zum Kürbis geworden.

„Unbeirrbare Geister“ und vor allem altertümliche und unbelehrbare Handlungsweisen der Kirche wollte auch Luther vertreiben, als er an der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen aufhängte. 1517 war dies und es bescherte später dem evangelischen Christentum einen hohen Gedenktag: den Reformationstag, ebenfalls am 31.10., dem Tag vor Allerheiligen.

Die katholische Kirche gedenkt am 1. November all jener Menschen, die heiliggesprochen oder heilig genannt wurden. Papst Gregor III. beschloss, einen Tag zum Gedenktag für alle Heiligen zu erheben – noch heute ist dies in vielen Ländern der stillste katholische Feiertag überhaupt.

Katholische Heilige, Reformer und Rüben miteinander in Beziehung zu setzen scheint gewagt, aber es sei hier erlaubt, denn in unserer Zeit feiert die christliche und weltliche Gesellschaft alle diese Gedenktage. Ein jeder so, wie er mag – ob mit festem Glauben und Gedenken, ob still oder schrill, ob mit Freude an einem gesetzmäßig arbeitsfreien Tag oder ganz profan, nur aus Spaß an „Süßem oder Saurem“.

 


 

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